
Von den Goten verwüstet, von Barbarossa zerstört, von Visconti und anderen Tyrannen ausgeplündert, erst von den Franzosen, dann den Österreichern in Schutt und Asche gelegt, von den Faschisten und den dunklen Handlangern der Mafia missbraucht: Mailand (1,4 Mio. Einwohner) ist mit allen fertig geworden und aus Wirren und Kämpfen gestärkt hervor gegangen. Italiens einzige Stadt mit kosmopolitischem Metropolencharakter ist eine würdige Siegerin (Marco Polo Reiseführer Mailand/Lombardei, 2001).
Ein erster Anlaufpunkt ist sicherlich der Dom, auf dessen Dach man spazieren und vorzüglich ein wenig die Reiselektüre studieren kann (vgl. Foto). Leider war die Domfassade und ein Teil des Dachgeschosses eingerüstet. Das Innere (in das man nur mit knielangen Shorts und nicht- schulterfreien Hemden gelangt) ist für meinen Schmack ein wenig dunkel. Ein Besuch (insbesondere des Domdaches) ist aber auf jeden Fall empfehlenswert.
Im Polyglott 'Die Sehenswürdigkeiten Europas' (1992/1993) heißt es einleitend zum Mailänder Dom:
Mit dem Gedanken an Mailand ist das Bild dieses Meisterwerkes der italienischen Gotik untrennbar
verbunden, ist doch der monumentale Dom das bedeutendste Bauwerk der Stadt und ihre größte
Sehenswürdigkeit.
Wenngleich der Stil des Sakralbaus nicht so rein ist wie jener der gotischen Kathedralen
Frankreichs und Deutschlands (was durch die überaus lange Bauzeit erklärbar ist), so
beeindruckt der Dom doch durch seine wuchtige Baumasse und deren fein gegliederte Struktur.
Der Mailänder Dom ist das beste Beispiel für den gotischen Baustil in Italien. Doch gerade
er zeigt am Anschaulichsten die oft heftige Auseinandersetzung zwischen der einheimischen
Baukunst und der nordischen Gotik, zumal die Bauleitung nicht nur bei lombardischen Architekten
lag.
Direkt am Domplatz befindet sich auch die eindrucksvolle Galleria Vittorio Emmanuele. Der Haupteingang ist 196 Meter lang, 14,5 Meter breit und 32 Meter hoch. Die vier Gänge kreuzen sich unter einer riesiegen Glaskuppel. Auf jeden Fall angucken.
Etwas abseits vom Stadtkern befindet sich das ehemalige Kloster Santa Maria delle Grazie. Hier befindet sich die zweite Sehenswürdigkeit, die man im Allgemeinen mit Mailand verbindet: Leonardo da Vincis Fresko: 'Das Abendmahl'. Durch Luftschleusen wird man gegen teuren Eintritt (6,50 Euro) zum eindrucksvollen Gemälde in einem kleinen Gebäude neben der Kirche geschleust. Die Restauratoren haben ganze Arbeit geleistet. Man sollte sich rechtzeitig einen Termin für einen Besuch überlegen, eine Besichtigung ist nur zu speziellen Zeiten nach Voranmeldung möglich. 'Das Abendmahl' wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Was mir vor meiner Reise weniger bewusst war, ist die Tatsache, dass Mailand über eine sehr gut erhaltene und beeindruckende Burganlage aus dem 14. Jahrhundert, das Castello Sforzesco verfügt. In mehreren Museen sind die städtischen Kunstsammlungen in der Anlage untergebracht. Ein schöner Spaziergang an schmalen Steintreppen, eisernen Wendelstiegen und gefährlich anmutenden Holzstegen vorbei hin zu einer ausufernden Gartenanlage hinter dem Kastell lohnt sich aber auch schon.
Neben den o.g. Sehenswürdigkeiten muss man in Mailand schon etwas genauer hingucken. Zwischen den überwiegend modernen (und meistens leider auch etwas ungepflegten) Bürobauten lässt sich die eine oder andere schöne Villa entdecken (siehe mitteleres Bild). Die Stazione Centrale (Zentralbahnhof, rechtes Bild) ist sowohl von außen als auch von innen imposant. Ab hier kann man zu einem vernünftigen Preis (einfache Fahrt: 3,50 Euro) in ca. sechzig Minuten mit dem Zug nach Bergamo fahren. Und eines ist auch schon klar. Irgendwann komme ich (mit dann hoffentlich mehr Geld im Gepäck) zurück nach Mailand, um die Scala (linkes Bild) zu besuchen. Den Theatersaal wollte ich mir eigentlich schon einmal angucken, aber auch die Scala wurde renoviert, das Theatermuseum war geschlossen.
