
Man denkt, in eine Theateraufführung hineingeplatzt zu sein. Die Via Gombito ist der Orchestergraben, dahinter steigt leicht der trapezförmige Platz an, und auf ihm treten einheimische Akteure auf: ein kleines Welttheater, keine große Oper. Hier führt der Alltag Regie, und alltägliche Freuden und Probleme sind das Thema. Die Piazza Vecchia in Bergamo (125.000 Einwohner) bildet seit fünf Jahrhunderten die Kulisse für Dramolette gewöhnlicher Leute. Sie grüßen einander, schwadronieren, lachen, scherzen, und dazwischen murmelt unentwegt der - kürzlich toprestaurierte - Löwenbrunnen. Der schönste Platz von Bergamo Alta ist kein Touristenghetto. In das Überlaufbecken der Piazza ergießt sich quirlig der Strom Ansässiger, die hier ihren 'corso' mit dem endlosen Spiel vom Sehen und Gesehenwerden für ein Schwätzchen unterbrechen. Abends, wenn die Piazza in feierliches Licht getaucht ist und nach zehn Uhr die 180 Glockenschläge verhallt sind, die einst die Sperrstunde ankündigten, geht es erst recht aufgeräumt zu auf diesem wegen seiner geringen Größe lebendigen, ja intimen Platz. Die Bewohner der nordlombardischen Stadt verströmen südländische Heiterkeit, die es den zugereisten leicht macht, sich in der 'citta alta', der Oberstadt, einem Schatzkästchen der Renaissance, wohl zu fühlen. Die historische Oberstadt, ein Labyrinth enger Gassen und schulterschmaler Gänge auf einem grünen Hügel über dem Serio-Fluss, ist Bergamos Keimzelle. Während sich die Unterstadt mit ihrem stickigen Häusermeer wenig einladend zeigt, ist die für den Autoverkehr gesperrte Oberstadt eine Besteigung wert (Marco Polo Reiseführer Mailand/Lombardei, 2001).
Die Piazza Vecchia gehört sicherlich zu den schönsten Plätzen, die ich bisher gesehen habe. Hier geht es gemütlich und überschaubar zu. Eine 'Cioccolata' oder ein 'Latte macchiato' in einem der schönen Cafes am Platz ist lecker, entspannend und auf jeden Fall empfehlenswert. Die Preise sind in Anbetracht der Lage o.k.. Das Highlight dieses Urlaubes.
Direkt an der Piazza Vecchia liegen der Dom und die Kirche Santa Maria Maggiore. Der Dom ist von außen etwas unscheinbar, von innen aber sehr sehenswert. Da er nicht durchgehend geöffnet hat, ist etwas Glück nötig, die richtige Zeit zu erwischen. Von außen aufgrund ihrer Renaissance-Portale sehenswerter ist Santa Maria Maggiore. Auch hier lohnt aber ein Blick ins Innere.
Direkt an der Piazza Vecchia befindet sich ebenfalls der Aufstieg zum Glockenturm, von dem man einen hervorragenden Blick auf Bergamo (insbesondere auf die Oberstadt) hat. Aber Vorsicht zu jeder vollen Stunde. Da kann es direkt unterhalb der Glocke richtig laut werden.
Bereits der Aufstieg in die Oberstadt ist durch die engen gemauerten Gassen eindrucksvoll. Das Stadttor der 'citta alta' vermittelt einen ersten Eindruck von dem, was einem erwartet. Die Unterstadt ist moderner gehalten und kommt (leider) bei weitem nicht an die Oberstadt heran. Man sollte sich gutes Schuhwerk mitbringen, da allein der Weg vom Bahnhof in die Oberstadt ca. 30 Minuten beträgt (es fahren natürlich auch Busse). Und noch etwas: Der Bahnhof in Bergamo verfügt über keine Schließfächer. Ein Ausflug nach Bergamo empfiehlt sich nur, wenn das Gepäck vernünftig untergebracht ist, z.B. von Mailand aus. Der Ausflug sollte aber auf jeden Fall gemacht werden.
